Gibt es das Recht auf ein „gesundes“ Kind?

 

D, 2011, 45 Min, BR für die Reihe „Stolpersteine

Am 7. Juli 2011 mussten die Abgeordneten des Bundestages eine Gewissensentscheidung treffen: Sollte es in Zukunft gesetzlich erlaubt sein, dass Eltern ihre im Labor gezeugten Embryonen auf Erbkrankheiten testen? Selten wurde im Deutschen Bundestag so engagiert, differenziert und über alle Parteigrenzen hinweg diskutiert wie im Fall der Präimplantationsdiagnostik (PID). Die Entscheidung fiel für eine überparteiliche Gesetzesvorlage: Die PID ist nun gesetzlich zugelassen, wenn aufgrund der genetischen Veranlagung der Eltern eine schwerwiegende Krankheit oder eine Tot- oder Fehlgeburt wahrscheinlich ist.

Angestoßen wurde die Diskussion durch den Fall eines Mädchens, das heute vier Jahre alt ist: Maxima ist das erste Kind in Deutschland, das mit Hilfe der Präimplantationsdiagnostik zur Welt gekommen ist. Es war eine rechtliche Grauzone, in der der Berliner Mediziner Matthias Bloechle die PID bei Maximas Mutter vornahm. Um eine eindeutige Rechtslage zu erzwingen, zeigte er sich selbst an – und der Bundesgerichtshof entschied am 6. Juli 2010, dass die PID nicht als Straftat anzusehen sei. Nun war auch der Gesetzgeber gefordert.
Stolperstein greift das noch immer umstrittene Thema in sehr persönlicher Weise auf. Im Mittelpunkt stehen fünf Familien, die durch Genveränderungen im Erbgut Kinder mit Behinderungen geboren haben. Wie stehen die Betroffenen selbst zur PID? Halten sie die Embryonenselektion am Lebensanfang für ein probates Mittel? Oder birgt die PID die Gefahr, dass sich unser Verhältnis zu Menschen mit Behinderungen verändert, da „Gendefekte“ ja nun vermeidbar sind? In außergewöhnlich offenen und reflektierenden Gesprächen stellen sich die Eltern diesen Fragen – und kommen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen.

Selten wurde im Deutschen Bundestag so engagiert, differenziert und über die Parteigrenzen hinweg, diskutiert: Es ging um die Präimplantationsdiagnostik, die PID. Die Abgeordneten mussten am 7. Juli 2011 eine Gewissensentscheidung treffen: Gestatten sie in Zukunft Eltern ihre, im Labor gezeugten Embryonen, auf Erbkrankheiten zu testen oder nicht. Die Entscheidung war zwar knapp, aber die PID ist nun – unter harten Auflagen – gesetzlich genehmigt.

Angestoßen hat diese Entscheidung, ein heute vierjähriges Mädchen, denn Maxima ist das erste Kind in Deutschland, das mit Hilfe der Präimplantationsdiagnostik auf die Welt gekommen ist. Der Berliner Reproduktionsmediziner, Matthias Bloechle, vollzog in einer rechtlichen Grauzone, die PID bei Maximas Mutter. Um eine Entscheidung zu erzwingen, zeigte er sich selbst an – und der Bundesgerichtshof gab ihm 2010 Recht. Nun war auch der Gesetzgeber gefordert.

Stolperstein greift dieses ethisch – noch immer brisante – Thema auf und hat fünf Familien besucht, die durch Genveränderungen in ihrem Erbgut, Kinder mit Behinderungen geboren haben. Wie stehen diese Betroffenen zur PID, halten sie die Embryonenselektion am Lebensanfang, für ein probates Mittel, sich die seelisch nur schwer zu ertragende „Schwangerschaft auf Probe“ zu ersparen? Oder birgt die PID die Gefahr, dass sich unser Verhältnis zu Menschen mit Behinderungen verändert, da „Gendefekte“ ja nun nicht mehr sein müssen? In aussergewöhnlich offenen und reflektierenden Gesprächen beantworten diese Eltern ihre Meinung – und kommen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen.

© 2018 Beatrice Sonhüter | Dokumentarfilmerin & cubecom