GESCHÄFTE MIT DEN PATIENTEN – VOM AUSVERKAUF DES IRDISCHEN GENPOOLS

 

D, 2000, 45 Min, arte/3sat/BR

Screenshot GESCHÄFTE MIT DEN PATIENTEN - VOM AUSVERKAUF DES IRDISCHEN GENPOOLS

Sind menschliche Gene eine Entdeckung oder eine Erfindung? Ist das menschliche Erbgut das gemeinsame Erbe der Menschheit oder darf es monopolisiert und patentiert werden?

Für das Europäische Patentamt in München ist diese Frage längst beantwortet: Alle Lebewesen, also Pflanze, Tier und Mensch, sind patentierbar geworden. Während man in Europas Parlamenten noch mit Antworten ringt, vergibt das Europäische Patentamt in München seit Herbst 1999 Patente auf Lebewesen. Die belebte Natur wird somit zum zeitlich limitierten Eigentum ihrer geistigen „Erfinder“. Schon heute sichern Gen-Patente vielen Lifescience Companies Monopole in der Medizin und beflügeln somit deren Aktienkurse. Und die Thesen sind simpel: Die Pharmaindustrie zieht mit dem Slogan „Ohne Patente – keine Heilung“, in die Patentierungsschlacht. Die Kritiker dagegen fordern: „Keine Patente auf Leben“.

Die Dokumentation „Geschäfte mit Patenten: Vom Ausverkauf des irdischen Genpools“ beschreibt an Hand von Beispielen, wie forschungsbehindernd der Patentierungsboom heute schon sein kann, hinterfragt, ob die Befürchtungen von Kritikern berechtigt sind, die davor warnen, dass in wenigen Jahren das gesamte menschliche Erbgut in den Händen einiger großer Pharmakonzernen konzentriert sein wird. Und der Film beschreibt die Schlupflöcher, die die Europäische Patentrichtlinie für die Patentanmelder offenhält, wenn es um das Klonen menschlicher Embryonen geht.

Jeremy Rifkin, international anerkannter Trendforscher, faßt den Patentierungsboom in der provokanten These zusammen: „Der menschliche Genpool gehört weder Ländern noch irgendwelchen Firmen. Wenn wir es zulassen, daß Regierungen oder Unternehmen dieses Erbe als ihr Eigentum reklamieren, werden wir im 21. Jahrhundert Zeugen von Gen-Kriegen werden.“

© 2018 Beatrice Sonhüter | Dokumentarfilmerin & cubecom