ÜBERALL WAR TOD – VOM LEIDEN UND STERBEN IM KZ FLOSSENBÜRG

 

Erstausstrahlung: 22.04.2015, Bayerisches Fernsehen, 22.00 Uhr

„Ich habe Flossenbürg verlassen, aber Flossenbürg hat mich nie mehr verlassen“, sagt Jack Terry. Als der jüdische Junge aus Polen 1945 hier befreit wurde, war er 15 Jahre alt und wog 34 Kilo. Überall war Tod: Im Steinbruch, in den Baracken, auf dem Appellplatz, in der Krankenstation. Häftlinge wurden zu Tode gequält, geprügelt, erhängt, erschossen. „Vernichtung durch Arbeit“ war das „Motto“ des KZ-Flossenbürg.

110428a Flossenbürg

By Roehrensee (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Der Granit ist der Grund, warum die SS 1938 in dem oberpfälzischen Ort ein Konzentrationslager errichtet. Häftlinge müssen in den Steinbrüchen unter furchtbaren Bedingungen als billige Arbeitssklaven Granit für die geplanten Prachtbauten des NS-Staates gewinnen. Später wird das KZ Flossenbürg zu einem wichtigen Rüstungsstandort. Ab1943 produziert hier die Firma Messerschmitt Flugzeuge. Das KZ wird zudem die Zentrale eines weitverzweigten Systems von Außenlagern. In den beiden größten, in Hersbruck und in Leitmeritz, arbeiten, leiden und sterben ebenfalls Tausende für absurde Rüstungsprojekte des untergehenden Reiches.

Flossenburg

By Eqdoktor at en.wikipedia [Public domain], from Wikimedia Commons

Als die Lager im Osten evakuiert werden und Transporte auch Flossenbürg erreichen, drängen sich 15.000 Menschen unter katastrophalen Umständen in einem Lager, das für 3000 Häftlinge geplant war. Das tragischste Kapitel von Flossenbürg sind schließlich die Todesmärsche. Wegen der heranrückenden US-Armee werden die Häftlinge in Richtung Dachau getrieben. 7000 Gefangene sterben – Tage, oft nur Stunden vor der Befreiung.

Crematory oven - Flossenbürg

By Oxfordian Kissuth (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Die Dokumentation „Überall war Tod – Vom Leiden und Sterben im KZ-Flossenbürg“ zeichnet die Geschichte dieses KZ nach, das Jahrzehnte lang vergessen war. Und der Film gibt den Überlebenden des Terrors eine Stimme. Sie berichten von ihren grauenvollen Erfahrungen im KZ Flossenbürg, von ihrem tagtäglichen Überlebenskampf. Sie erinnern sich, was sie am Leben gehalten hat, obwohl sie schon mehr tot als lebendig waren. „Ich wurde nicht befreit, ich habe mich selbst befreit“, sagt der Italiener Vittore Bocchetta, dem es gelungen war, auf dem Todesmarsch zu fliehen.

 

Dokumentation Deutschland 2015

Autorin: Beatrice Sonhüter

Redaktion: Astrid Harms-Limmer

© 2012 Beatrice Sonhüter | Dokumentarfilmerin & cubecom