GERD UND SEINE MÄNNERFAMILIE

 

Screenshot GERD UND SEINE MÄNNERFAMILIED, 2009, 45 Minuten, BR

Am 8. Mai dieses Jahres „heiratete“ der Designer Gerd B. seinen Partner Udo in München: Sie ließen ihre homosexuelle Lebenspartnerschaft amtlich registrieren.

Gerd kam als Ältester von drei Brüdern in einer Familie zur Welt, die seine Hinwendung zum Künstlerischen nach Kräften förderte und die damit kein Problem hatte, dass der Sohn schwul war. Nach der Kunsthochschule in Düsseldorf arbeitet er als Neon-Künstler, Florist, Kerzengestalter, beteiligt sich an einer Modeagentur und entwirft selbst „schicke Klamotten“. Im Laufe der Zeit hat er mehrere Modeateliers, geht pleite, rappelt sich auf und fängt immer wieder von vorne an. Seit 34 Jahren lebt er mit seinem Freund Udo, der im Münchner Lehel einen Friseursalon hat. Gemeinsam können sie bis 1989 in vollen Zügen ihr Bohemiendasein genießen.

Doch da tritt Gerds Bruder „Bobby“ in ihr Leben. Er wurde mit dem Down-Syndrom geboren und lebte bei der Mutter, bis sie starb. Nach einem Rechtstreit um das Sorgerecht darf Gerd ihn schließlich zu sich nehmen. Und plötzlich bringt „das Mongo-Baby“, wie Gerd ihn liebevoll nennt, Ordnung in die „Männerfamilie“. Denn „Downies“ hassen Chaos, brauchen feste Zeitpläne, feste Rituale. Und so lernt Gerd kochen, und Udo sorgt in der Wohnung für Ordnung. Bobby geht zur Sprachtherapie, bekommt Musikunterricht und einen Job in einer Gärtnere – und vor allem Geborgenheit.

Als Gerd vor 9 Jahren in der Wohnung einen Schlaganfall hat, rennt Bobby sofort in Udos Friseursalon um die Ecke, von wo sie den Notarzt rufen. Seither ist Gerd bewusst, wie richtig seine Entscheidung war, ihn bei sich aufzunehmen. Und den Schlaganfall betrachtet er als Warnung: Was würde aus Bobby, wenn er nicht mehr in der Lage dazu wäre, sich um ihn zu kümmern? Denn dazu hatte sein Freund Udo, an dem Bobby genauso hängt wie an Gerd, rechtlich keine Handhabe. Bis zum Tag ihrer „Eheschließung“…

© 2012 Beatrice Sonhüter | Dokumentarfilmerin & cubecom