ALLES PLASTIK – JETZT AUF YOUTUBE

 

Die Dokumentation „Alles Plastik – oder was?“ hatte sehr gute Einschaltquoten: Am 5. November schauten über 800.000 dem Betrag aus der Sendereihe Gesundheit zu. Für alle, die die Sendung Verpasst haben hier das komplette Video!

Plastik bestimmt unser Leben und erleichtert den Alltag – auf den ersten Blick. Denn das „unkaputtbare“ Plastik schädigt nicht nur die Umwelt, sondern gefährdet auch unsere Gesundheit. Gibt es eine Alternative zu einer Welt, in der Kunststoff immer mehr Raum einnimmt?

 

 

Wir sind umzingelt von Plastik – tagtäglich. Das fängt schon am Morgen an: der Wecker, der Zahnbecher, die Kaffeemaschine, der Joghurtbecher, die Wurstdose … – alles aus Plastik! Im Büro geht es weiter: der Schreibtisch, der PC, die Maus, das Telefon, der Mülleimer – ebenfalls Plastik. Und beim Einkaufen erst! Klorollen in Plastik abgepackt, PET-Flaschen, abgepacktes Obst und Gemüse inPlastikfolien, Toast und Brot … alles in Kunststoff verpackt!

Plastik ist aber auch in Möbeln, Tapeten, Fußböden, ja selbst in den Textilien und in Schuhen enthalten. Leider auch in Kinderspielzeug!

24 Kilogramm Plastik – in Form von Bechern, Folien, Verpackungen – kauft jeder Deutsche im Jahr. Nur Verpackungsmaterial! Allein in einem Becher Joghurt findet man bis zu 600 verschiedene Additive, von den gesundheitlich bedenklichen Weichmachern, über Farbpigmente bis hin zu anderen Chemikalien.

Plastik feiert 2013 seinen 100. Geburtstag. Und der Siegeszug des Kunststoffes ist seit den 50er-Jahren nicht mehr aufzuhalten. Denn Kunststoff ist leicht, formbar, stabil, praktisch und billig! Aber es sind vor allem die Weichmacher, die sogenannten Phthalate, die Ärzte, Toxikologen und Umweltmediziner für bedenklich halten.

Weichmacher können krank machen

Es gibt über 600 verschiedene Weichmacher, 200 von ihnen gelten als gesundheitlich besonders bedenklich. Diese Chemikalien machen Plastik weicher, flexibler, geschmeidiger. Aber diese Stoffe können die Gesundheit schädigen, wenn sie aus den Verpackungen in die Lebensmittel eindringen. Phthalate haben eine hormonähnlich Wirkung, können zu Unfruchtbarkeit führen, da sie die Spermien angreifen, sie können Asthma und Allergien auslösen, dick und dumm machen und Unkonzentriertheit fördern, so mehrere Studien.

Man kann dem Plastik nicht entfliehen. Denn alles, was wir essen, was wir anhaben, mit dem wir uns umgeben, hat mit Plastik und damit auch mit diesen gefährlichen Weichmachern zu tun.

Ganz paradox wird es, wenn es direkt ums Leben geht: Infusionsschläuche und Blutbeutel sind meist aus PVC gefertigt und enthalten viele Weichmacher. Die Auswirkungen sind gravierend. Selbst Ärzte wissen das oft nicht. Denn Patienten erhalten in der ersten halben Stunde beispielsweise viel zu wenig Schmerzmittel, weil sich die Substanz erst an die Innenwand der Infusionsschläuche heftet und somit erst verzögert im Patienten ankommt.

In einigen Ländern sind Weichmacher verboten

In anderen europäischen Ländern denkt die Politik viel verbraucherfreundlicher als unsere Politiker und verbietet die problematischsten Weichmacher und  Chemikalien – bevor es die Europäische Union tut. Dänemark hat bereits vier der problematischsten Weichmacher in allen Innenräumen komplett verboten, also auch in Teppichböden, Tapeten und Möbeln. Argument der dänischen Gesundheitsministerin: „Die Gesundheit unserer Bevölkerung geht vor!“

Kein Bisphenol A in Babyflaschen

Plastik kann auch Bisphenol A, kurz BPA, enthalten. Auch diese Chemikalie steht im Verdacht, unter anderem Unfruchtbarkeit, Diabetes, Fettleibigkeit und Schädigungen des zentralen Nervensystems auszulösen. Seit 2011 dürfen Babyflaschen bei uns kein BPA mehr enthalten. Damit sollen Babys zumindest bis zum 3. Lebensjahr geschützt werden. Da dieser Stoff aber auch auf die Fortpflanzungsorgane Einfluss haben kann, rät das Umweltbundesamt in Berlin, BPA-Produkte aus Vorsorgegründen zu meiden. Frankreich, Schweden und Dänemark arbeiten bereits an einem Totalverbot von  BPA.

Müll in allen Meeren

Alles, was nicht recycelt oder verbrannt wird, landet irgendwann einmal in den Flüssen, im Meer. 100 Millionen Tonnen „unkaputtbarer“ Plastikmüll dümpelt in den Ozeanen.

Am 12. März 2013 strandete ein Pottwal in Spanien: In seinem Inneren fanden sich insgesamt 30 Quadratmeter Plastikfolien! Allein in der Nordsee sind 20.000 Tonnen Müll, 75 Prozent davon sind Plastikteile.

Gefahr durch Mikroplastik

Die großen Plastikteile, die in allen Weltmeeren auf oder kurz unter der Wasseroberfläche schwimmen, sind für den Tod von unzähligen Vögeln und Wassertieren verantwortlich. Aber sie bergen noch ein anderes großes Risiko: Mikroplastik. Mikroplastik entsteht, wenn die großen Plastikteile durch thermische und andere Umweltfaktoren „zerfallen“.

In jedem Fisch, in jeder Auster aus dem Meer finden sich mehr oder weniger viele Mikroplastikteilchen (man spricht von Mikroplastikteilchen bis zu einer Größe von 5 Millimetern), die in der Nahrungskette und damit wieder auf unseren Tellern landen.

Und was hat Zähneputzen mit dem katastrophalen Fischsterben in den Weltmeeren zu tun? Was hat ein Wohlfühl-Peeling der Haut mit den gigantischenPlastikwirbeln im Nord- und Südpazifik zu tun? Und warum bekommen wir dasalles wieder auf den Tisch, was wir durch den Abfluss gespült haben? Ursache für diesen unheilvollen Kreislauf ist ebenfalls Plastik und Mikroplastik. Denn damit die Zähne strahlend weiß werden und die Haut von alten Hautschüppchen befreit wird, setzt die Industrie solchen Produkten Mikroplastikteilchen zu, die diese gewünschten Effekte erzielen.

Was kann man dagegen tun?

Es gibt bereits Kunststoffe, deren Inhaltssubstanzen neu definiert werden, das heißt: Schädliche und gesundheitsbedenkliche Stoffe werden durch unbedenkliche ersetzt. Das kostet natürlich Zeit und Geld und die Industrie muss sich darauf einlassen. Ein deutsches Chemieunternehmen zum Beispiel entwickelte einen Ersatz-Weichmacher für das mittlerweile verbotene DEHP. Dieser neue Weichmacher, DINCH, erhielt 2006 die Zulassung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA). Er wird nun in Kinderspielzeugen, Medizinprodukten und für Kunststoffverpackungen von Lebensmitteln eingesetzt. Dieses Beispiel zeigt: Es geht.

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© 2012 Beatrice Sonhüter | Dokumentarfilmerin & cubecom